Vom achtsamen Schreiben und Nichtschwimmern die Rettungsschwimmer sein wollen

„Schreib nicht so viel, du bist krank! Das überlastet dich doch nur!“

Diese und ähnliche Sätze, lese ich oft im Zusammenhang mit diesem Blog. Ich weiß auch, die Menschen machen sich Sorgen um mich und wollen mir nichts Böses. Doch ich glaube, so langsam muss ich da mal was klarstellen. Schreiben ist für mich weder Arbeit, noch eine Belastung, oder gar eine Gefahr für meine Heilung. Ich bin nicht schwer Depressiv weil ich schreibe, ich Schreibe weil ich auf dem Weg aus der schweren Depression bin. Ich schreibe über meine Depression, über mein Leben mit der Depression und über meinen Weg zur Gesundung. Wieso? Weil ich es wieder kann und dass liebe Leserinnen ist die beste Sache die mir je passiert ist.
Ich konnte während meiner letzten schwer depressiven Phase kaum schreiben, jeder Artikel war purer Kampf und teilweise verlor ich diese Kämpfe haushoch und stampfte Ideen und Projekte wieder ein, oder ließ sie Ruhen. Das lag zum Einen an den Medikamenten und zum Anderen an der schwere meiner Depression, die mich total erschöpfte und Antriebslos machte. Der Antrieb, der mir fehlte, beeinflusste mein Denken und Fühlen. Denn wenn ich der Antriebslosigkeit nachgab und mich total in der Depression aufgab, fühlte ich mich schlecht und ich schrieb entweder garnicht, oder aber soviel Müll, dass selbst ich ihn nicht veröffentlichen wollte. 10 Seiten für ein Kapitel waren so für mich eine lange Zeit unerreichbar und groß wie eine ganze Enzyklopädie. Erst während meines Aufenthaltes in der Tagesklinik bzw. Reha merkte ich wie weit mein Hals schon im Depressionssumpf steckt und ich musste von vorne lernen zu schreiben. Ich schreibe jetzt „Achtsam“, eine komische Beschreibung für meinen Schreibstil. Was ist achtsames Schreiben und wie funktioniert es? Die Antworten sind keine Patentantworten und eigentlich muss jeder Mensch selber lernen, was für ihn das Limit ist, bevor aus Achtsamkeit, Unachtsamkeit wird. Aber, den groben Rahmen kann ich euch erklären.

Achtsames Schreiben

Jeder Mensch hat ein bestimmtes Limit, wieviel Stress, psychische und physische Belastung vertragen werden kann. Diese Grenze ist auch die die Grenze für den achtsamen Schreiber. Denn als Mensch, der Achtsam mit sich umgeht, musst du genau dieses Grenzen kennen und dir diesen Grenzen bewusst sein. Also ist zur Achtsamkeit auch das Bewusstsein für sich Selbst wichtig. Beide Parameter sind der Rahmen, in dem sich der achtsamen Mensch bewegt. Genau so funktioniert auch „das achtsame Schreiben“, welches ich seit ein paar Monaten versuche anzuwenden und die Grenzen immer wieder neu definieren muss und möchte. Denn die Definition der Grenzen istvein wichtiger Teil, der immer wieder neu justiert werden muss. Wenn du Achtsam schreiben möchtest musst du dir bewusst sein, welche Grenzen du hast und in wie weit du sie nutzen möchtest.

Wenn du diese Grenzen ausnutzt und einhälst, kannst du Bwwusst und Achtsam schreiben. Du hast zwar durch die Grenzen, die du dir bewusst setzt, zwar nur ein bestimmtes Zeitfenster, in dem du schreiben kannst. Aber, durch den geringeren Energieverbrauch und weniger extreme psychische Verausgabung, kommstbdu über den Tag weiter, als wenn du bis zum totalen Akkuverbrauch durchschreibst und viele Tage nichts mehr schaffst. Denn du benötigst immer weniger Regenerationszeit für deinen Körper und deinen Geist. Im Prinzip ist diese „Achtsamkeit“ für jede Form des Handelns anwendbar und auch für gesunde Menschen nutzbar, um eine psychische Krankheit zu vermeiden. Durch diese Form des Arbeitens konnte ich in den letzten Wochen wieder mehr schreiben und wurde dadurch auch wieder etwas fitter im Geist. Denn das Schreiben war und ist noch eine Therapieform für mich. Eine Therapieform, in der ich meine Emotionen, Gedanken und Gefühle verarbeite und mir näher ins Bewusstsein bringt und die Sicht meiner Welt aufhellen und klarer erscheinen lässt. Sie ordnet mein Welt und lässt mich wieder Kraft schöpfen.

Dieser Text ist nicht als Allheilmittel zu verstehen, denn ich bin kein Psychologe, oder Psychotherapeut. Es ist der Weg, der mir geholfen hat und ich würde mit niemals anmaßen ein Heilmittel gegen Depressionen gefunden zu haben. Ich gehe sogar soweit zu sagen, dass diese Selbsthilfegruppen ohne therapeutische Begleitung brandgefährlich sind. Mein Therapeut, der im Gegensatz zu manchem Menschen der sich „Therapeut“ nennt auch Einer ist, hat mal einen treffenden Satz gesagt:

„Wenn du als Nichtschwimmer ins tobende Meer fällst, wen rufst du um Hilfe? Den Menschen, der zwar selbst Nichtschwimmer ist und schon ein paar Mal beinahe ertrunken ist, oder einen ausgebildeten Rettungsschwimmer?“

Guter Vergleich, oder? Denkt mal drüber nach. Wir Nichtschwimmer können zwar von unserer Erfahrung sprechen, wie es ist unter zu gehen, aber wir können keinen Menschen aus den Fluten retten, denn wir sind Nichtschwimmer!
So, das war es mal wieder von mir. Genießt das Restwochenende und kommt Guten die Woche!

Leeve Jroos
Euer Barschlamperich

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s