Einblicke in meine Therapien

Es kamen immer wieder Fragen, welche Therapien ich während meines Aufenthaltes in der Tagesklinik gemacht habe, welche Möglichkeiten es noch geben würde und wieso ich gerade diese Therapien erhalten habe. Im folgenden Text möchte ich euch diese Fragen beantworten.

Ergotherapie

In der Ergotherapie könnt ihr eigentlich Vieles machen. Von künstlerischer Gestaltung, über lesen, bis hin zu Gesellschaftsspielen, Alles ist Möglich. Hauptsache du beschäftigst dein Gehirn mit anderen Sachen, als über deine Krankheit nachzudenken. Denn das Grübeln, sich in Selbstvorwürfe zu verstricken und dabei immer weiter in der Depressionsspirale abzuschmieren, soll in der Ergotherapie verhindert werden und gleichzeitig dein Gehirn wieder mit positiven Input versorgt werden. Für mich ist die Ergotherapie eine schwierige Kiste und ich habe sehr viele Stunden Ergotherapie in meinem Therapieplan. Bisher konnte ich diese Therapie nicht annehmen und war dementsprechend wenig in der Ergotherapie. Wobei ich durch mein Schreiben ja doch so einige Bereiche der Ergotherapie abdecke.

Ich glaube, Ergotherapie muss mensch mögen, oder sie wird nicht helfen. Dennoch ist sie bestimmt keine schlechte Therapie, nur halt nicht für mich.

Sport- und Bewegungstherapie

Ich glaube ja immer noch, die Ärzte und Pflege haben gedacht, „Dem Dickerchen müssen nur ein paar Kilo von den Rippen purzeln und schon geht es im Kopf auch aufwärts„. Anders sind die wirklich großzügig verteilten Sport- und Bewegungstherapien nicht zu erklären. Ich habe Bewegungstherapie, Therapeutisches Yoga, 2 Mal Sport und langsames Walken auf dem Therapieplan stehen. Zugegeben, die Sporteinheiten und auch das Yoga sind wirklich gut für mich, weil sie mir auch Spaß machen (Ja, ein 120 Kilo ehemaliger Defensive Liner beim Yoga ist nicht nur in der Vorstellung extrem witzig, auch in der Realität ist es ein Brüller). Aber, ich hätte mir etwas mehr Psychotherapie und weniger Walken gewünscht. Aber, das mit dem Wünsche formulieren ist für jemanden, der sich Selbst nicht für wichtig hält und seine Bedürfnisse nicht mehr äußert und für Andere zurückstellt, sehr schwer bis unmöglich. Dennoch muss ich sagen, ich bin dankbar für jede Sporteinheit, denn diese Einheiten sind wirklich totale Aufheller im Gehirn.

Psychoedukation Depression

In der Psychoedukation Depression, lernen wir, wie der Name schon sagt, etwas über unsere Krankheit und ihre Behandlungsmöglichkeiten. Wir lernen die Symptome der Depression kennen, wie die Depressionsspirale aussieht und welche Wege es aus dieser Spirale gibt. Wie wir schon früh erkennen, wann wir eine depressive Episode haben und welche Maßnahmen uns dann helfen nicht weiter abzurutschen. Welche Medikamente, welche Wirkung haben und welche Therapien es gibt. Mir hat es aufgezeigt, dass ich schon mindestens 20, mal leichtere, mal schwere depressive Episoden hatte, die ich eher als „schlecht drauf sein“, oder „Liegt am Winter“ abgetan habe. 20 depressive Episoden in den letzten 10- 15 Jahren, das ist eine Hausnummer. Aber, der Vorteil ist, ich lerne in der Psychoedukation auch, wie ich die Depression bekämpfen kann. Was ich selber machen kann, aber auch was mir in der Therapie helfen kann.

ACT – Akzeptanz Comittment Therapie

Eine Erweiterung der Verhaltenstherapie, soll uns helfen unsere Krankheit zu akzeptieren und uns verschiedene Wege aufzeigen, wie wir unser Handeln verändern können um unsere Gefühle und unser Denken positiv zu beeinflussen. Denn unser Handeln können wir beeinflussen um positive Gedanken und Gefühle zu erhalten. Klingt zwar recht einfach, ist aber ein langer und steiniger Weg, weil wir viele Dinge fest in unserem Handeln verankert haben, die uns immer wieder daran hindern, neue Gedanken zuzulassen. Dennoch ist ACT für mich, neben der Psychoedukation, eine der wichtigsten Therapien gewesen. Ich hätte mir mehr davon gewünscht und wäre gerne in die Schematherapie gegangen, leider dachten die Ärzte wohl, dass es für mich wohl nicht nötig wäre.
Leider habe ich da auch selber viel Anteil dran, denn ich neige immer wieder dazu, mein eigenes Sein als „nicht so schlimm“ zu relativieren. Auf die Frage „Wie geht es ihnen?“ würde ich immer „Alles Gut!“, oder „Passt schon“ antworten, obwohl es mir gerade nur „Scheiße“ geht. Ein Teil meiner Depression ist halt auch, dass ich mich nicht für wichtig erachte und mich dem Großen und Ganzen unterordne. Ich würde niemals irgendwie meine Bedürfnisse anmelden und ihnen Vorrang geben, auch wenn es mir immer wieder gesagt wird, dass es auch wichtig ist mal Selber auf sich zu achten.

Musiktherapie

Die Musiktherapie, ein Spaß für Alle und ein tolles Ventil für Menschen die ihre Gefühle endlich rauslassen wollen. Für mich eine Therapie, die ich mir eher hätte schenken können. Denn die Musiktherapie hat mir nur einmal mehr gezeigt, dass ich mich zum Wohle der Gemeinschaft zurücknehme, obwohl ein Paukenschlag für mich bestimmt befreiend gewesen wäre. Aber, was soll ich sagen? Es klappt nicht!
Dies ist ein kleiner Einblick in meine Therapien und meine Eindrücke dabei.

Diese letzte Woche Tagesklinik wird zeigen, ob ich noch etwas mehr Stabilität erhalte. Leider fällt die Endphase der Tagesklinik genau in die härteste Zeit des Monats fällt, in die letzte Woche des Monats. Eine Zeit in der ich meistens mehr mit Selbstvorwürfen und Sorge um meine Familie zu kämpfen habe, als sonst. Aber, das ist ein anderes Thema und eher belanglos. Es wird schon irgendwie klappen.

Leeve Jroos
Euer Barschlamperich

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